Stärkt Metaverse die Computersucht

Jörg Knapp ist Kulturbotschafter in Nürnberg. Gemeinsam sitzen wir in einem Café und sprechen über Reisewelten in der Zukunft.

Wir kennen das Bild. Junge Leute, die nur noch vor dem Computer sitzen, vor allem spielen und surfen. Dem Leben draussen entfliehen, sich eingraben und ihre Kontakte nur virtuell „pflegen“. Sie sind froh, wenn Pizza und Cola geliefert wird. Gerne testen Sie Spiele in einem Keller in Barcelona und nennen das Beruf.

Sie verfügen über wenige Bedürfnisse und sind zur Familiengründung nicht mehr fähig. Sich dem zu widmen und nicht zu verlernen, was Partnerschaft bedeutet, das geht nur im reellen Leben. Alleinsein gilt hiermit am Ende als ein Schmerz, der ertragen wird. Sexuelle Bedürfnisse kann auch der Computer stillen, „was brauche ich die Menschen; die Welt ist schlecht.“

Das Extrembeispiel wie Metaverse wirken kann, führt also zur Abkoppelung von der Welt.
In der neuen Reisewelt hingegen, welche durch Metaverse entstehen kann, sollten soziale Fähigkeiten gestärkt werden. Neugier auf Begegnung. In naher Zukunft kommen wir an Metaverse nicht vorbei. Es wird dort viel Geld fliessen. Heute werden schon virtuelle Grundstücke und Autos gekauft. Auch alle Zahlungsmittel sind mit der Blockchain bereits virtuell. Ich lege darauf an Alternativen mit Synergien aufzuzeigen und diese Techniken zu nutzen.

Statt Hunger bekämpfen – Milliarden für Metavers

Die Uno braucht USD 6 Milliarden, um zu verhindern, dass Menschen verhungern. Das Geld fehlt. Dafür schrieb die Uno ein paar Milliardäre an. Elon Musk verlangte einen konkreten Plan, die Foristen beklagten sich über den darauf folgenden Kinderreichtum. Nur, das Geld bekommt die Uno nicht.

Wenn Facebook seine Geschäftsidee Metavers ankündigt, stehen die Investoren in den Startlöchern. Damit werden etliche Portemonnaies dick anschwellen. Da gibt es genügend Konsumenten, die dies gerne mitfinanzieren. Nach dem Motto; wer nicht konsumieren kann, hat Pech gehabt. Betroffenheit und Selbstverantwortung sieht anders aus.

Es stimmt, den Hunger zu bekämpfen ist das eine, eine Wirtschaft aufzubauen, die einer Gesellschaft Wohlstand einräumt, weit schwieriger. Zu viele Interessen können darin schnell einmal blockieren, und oft fehlt des Selbstschutz und des Beruhigen Willens das Interesse an dem Elend anderer. Anderer weit, weit weg.
Warum beispielsweise entstehen keine Fabriken für Smartphones im Kongo, von wo aus doch die wichtigen Rohstoffe neuer Technologien befördert werden? Weil es eben an Infrastruktur, politischer Stabilität und vielem anderen fehlt.

Speziell fehlt der Glaube an die Zukunft.
Die Investoren von Metavers glauben, dass die Menschen im Metavers für Werbung empfänglich sind. Gewiss wird sich das Reisen ebenso verändern. Und ich baue hoffnungsvoll darauf, dass mit Metavers und anderen neuen Technologien mehr Wohlstand geschaffen wird; bleibt nur noch zu hoffen, dass damit der Hunger abgeschafft wird.

Flucht aus der Realität

Gewiss, in folgende Richtung geht es jedenfalls.
Wie entwickelt sich das Leben, sofern wir immer in virtuellen Welten leben werden? Vergessen die Zeiten, worin wir durch Wälder wandern? Oder werden wir noch just in time neugierig? Neugierig auf das Leben recherchieren wir mehr, steigern unser Wissen? Entdecken wir ferner wieder just in time unsere Körper in und mit realer Natur?

Bisher wurden die ernüchternden Ergebnisse bekannt. Das Smartphone reduzierte Fähigkeiten bezüglich Sprache, Musik, Fantasie.
Indes versuchen wir mehr, wagen Neues und sind flexibler geworden, insbesondere im Multitasking.
Bringt uns das weiter?

Gespräche mit Sitznachbarn im Zug werden seltener. Meine Briefe an Jemanden zu schreiben zählt zu einer altmodischen Eigenart, für einige gar zu altmodischen Marotten; und die E-Mail wurde bald durch kurze WhatsApp-Nachrichten ersetzt. Damit verlieren wir Ausdrucksmöglichkeiten wie Ausdrucksfähigkeiten und hierdurch auch einen essentiellen Teil des Denkvermögens. Etwas zu planen wird weniger wichtig, es wird probiert. Folge Dilettantentum. Jede:r der/die sich was zutraut legt los, tendenziell ziemlich egal mit welchen Folgen. Gefährlich, wenn dabei noch blind durch Technologien und dürftiges Denken.

Unsere und die Realität anderer wird schon im heutigen Wandel ungern gesehen. Denn wir leben im Zeitalter digitaler Netzwerke umso mehr in Scheinwelten, worin sich alle Probleme ausklammern. Pflegen unser eigenes Universum worin sich unsere Meinungen wie von selbst stärken, und welches andere Sichtweisen verwehrt. Wir möchten da nicht diskutieren, wir zielen darauf ab, da was zu erleben. Bestenfalls in künstlichen Welten, wo jeder Widerspruch fehlt. Ist es das, was wir wollen?

Wirklich?