Einsatz von Robotern im Tourismus?


Ein schriller Blick in die Zukunft

In seinem Science-Fiction-Buch Abgespaced erzählt Marcel Büchi die Geschichte Ein Mann für alle Fälle. Darin holt sich eine junge Frau einen Roboter als vermeintlich idealen Lebenspartner an ihre Seite. Das humorvolle Ergebnis: Die junge Frau macht dank der Befehle des Roboter-Herstellers Karriere als verruchter Pornostar in China. Als sie dies feststellt, wird der Roboter zum Koch degradiert. 

Was wie eine amüsante Dystopie klingt, wirft eine fundamentale Frage auf: Wie viel Kontrolle treten wir an Maschinen ab?

Das Dilemma der Perfektion

Roboter und künstliche Intelligenzen sind verlockend. Sie ersetzen teure menschliche Arbeitskraft, verlangen kein Gehalt und funktionieren ohne Launen oder Emotionen. Doch ist ein makelloses Leben ohne Zwischenmenschlichkeit überhaupt erstrebenswert? Reibungen, kleine Konflikte und unvorhersehbare Momente machen das Leben schließlich lebendig.

In Büchis Geschichte wird die Kundin vom Roboter getäuscht, weil dieser nicht ihr dient, sondern den wirtschaftlichen Interessen des Herstellers. Eine Vorstellung, die uns auch in der Reisebranche zu denken geben sollte.

Wer steuert unsere Reiseträume?

Reisen war schon immer ein Geschäft mit Wünschen und Erwartungen. Was passiert, wenn Roboter und KI-Systeme die Reiseberatung vollständig übernehmen?  Nicht jeder wird die Sagrada Família in Barcelona je persönlich besuchen können. Wenn uns virtuelle Assistenten oder Roboter die Welt erklären, zeigen sie uns dann die Realität – oder nur ein geschöntes Bild, das der Hersteller verkaufen möchte?

Eine KI berät nicht neutral. Sie empfiehlt Hotels, Flüge und Attraktionen, die im Hintergrund das höchste Budget für Algorithmen bereitstellen. Schon heute zeigt sich bei Sprachmodellen und KI-Tools ein klares Bild: Kostenlose Versionen liefern oft ungenaue, fehlerhafte oder werblich verzerrte Daten. Wer präzise und neutrale Informationen will, muss tief in die Tasche greifen und teure Premium-Optionen buchen. Bei Robotern im Gastgewerbe stehen wir vor exakt demselben Problem.

Fazit: Tourismus braucht Seele

Tourismus ist mehr als das A-nach-B-Befördern von Personen und das Abarbeiten von Sehenswürdigkeiten. Tourismus lebt von Menschlichkeit, Begegnungen und echter Gastfreundschaft.

Ein Algorithmus kann Routen optimieren, aber er kann kein Lächeln, keine spontane Empfehlung eines Einheimischen und kein menschliches Willkommen Gefühl erzeugen. Wir verschwinden in eine fiktive Welt und werden immer mehr manipuliert. Die grosse Herausforderung der Zukunft wird es sein, ein Wirtschaftsmodell zu gestalten, das Technologie sinnvoll nutzt, ohne dem Reisen das Wichtigste zu nehmen: seine Seele.

Das Buch Abgescpaced von Marcel Büchi ist im Riverfield Verlag erschienen

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