In einem Schweizer Sportgeschäft stehe ich vor einem Display für smarte Brillen von Meta. Der Preis von 500 CHF ist stolz, doch die Funktionen klingen verlockend.
Die Smartbrillen wurden für Sportler entwickelt, die über ihre Grenzen hinausgehen wollen: Echtzeit-Coaching, Videos aufnehmen, Messengersysteme, alles freihändig per Sprachsteuerung (Werbeprospekt von Oakley-Meta).
Somit verspricht die integrierte Meta AI Echtzeit-Coaching für Sportler, Sprachsteuerung für Messenger, Navigation, Musik sowie Live-Übersetzungen – alles freihändig direkt vor den Augen.
Als ich mich genauer für die dahinterstehende Technik interessierte und beim Hersteller Oakley nachfragte, stieß ich schnell an Grenzen: Man verwies mich an den Brillenhersteller EssilorLuxottica, doch dort geht es primär um die Optik, nicht um die Datenverarbeitung.
Dabei steht uns ein fundamentaler Wandel bevor: Es ist eine Frage der Zeit, bis Smartbrillen das Smartphone im Alltag ablösen. Das wird unser Verhalten verändern. Wir laufen nur noch mit Brillen durch die Gegend, womöglich die Augen mit getönten Gläsern verdeckt.
Der Tourismus wird revolutioniert werden. Im Museum wird uns die Smartbrille alles erklären und jeder wird Selbstgespräche führen. Insbesondere, wenn Kartendienste wie Google Maps nahtlos integriert werden und jedes Geschäft um Sichtbarkeit im virtuellen Feld kämpft. Die KI-Agenten werden ihr Übriges tun, um das Leben so einfach wie möglich zu gestalten.
Doch was bedeutet das für unsere Daten? Schaut man auf bestehende Monopole, zeigt sich ein ernüchterndes Bild: Ein Großteil der Infrastruktur liegt in den Händen weniger US-Konzerne.
Aber von wem stammen all diese Daten ursprünglich? Von uns Nutzerinnen und Nutzern. Es ist an der Zeit, rechtlich und politisch einzufordern, dass essenzielle Kartendaten und Geoinformationen als öffentliches Allgemeingut behandelt werden.
Die Smartbrillen kommen schneller im Alltag an, als uns lieb ist. Mit ihnen droht eine neue Datenflut, die umfassenden Missbrauch ermöglicht. Der Mensch macht sich freiwillig gläsern – schlichtweg, weil es bequem ist.
Ein Exkurs: Ich weiß, meine Nachrichten an google@politik.com werden beachtet, erreichen kann ich jedoch nichts. Mein Toilettenfinder ist ein Trauerspiel. Google hilft bei diesem menschlichen Bedürfnis nicht weiter, alles soll mit KI gelöst werden und in wenigen Jahren laufen wir mit Smartbrillen durch die Gegend – die Daten alle bei den KI-Firmen. Geschäftsmodell? Gewinn ist wichtiger als menschliche Bedürfnisse.
Eine Alternative wie OSM kann sich kaum durchsetzen, zu stark ist die Marktmacht von Google. Ich werde angreifen, mich an ein Gericht in Mountain View wenden: Google muss die Daten als Allgemeingut zur Verfügung stellen.
Chinesische Hersteller werben mit billigen KI Smartbrillen. Die Technik ist da und dazu günstig verfügbar. Der entscheidende Punkt ist sind die Systeme dahinter und die Datenhoheit.
Genau deshalb braucht es jetzt eine breite gesellschaftliche Diskussion. Kritische Konsumentinnen und Konsumenten müssen diese Technologien frühzeitig testen und hinterfragen, bevor die Weichen unumkehrbar gestellt sind. Smartbrillen werden unser Leben prägen – die Frage ist nur, zu welchen Bedingungen.